Die WLAN-Standards 802.11ac und 802.11ad

Die WLAN-Standards 802.11ac und 802.11ad

Obwohl diese neuen WLAN-Standards für 802.11 schon 2011 veröffentlicht wurden, wird 802.11ac nur sehr zögerlich aufgegriffen und 802.11ad fast vollständig ignoriert. Beide Standards beziehen sich auf die Geschwindigkeit der Datenübertragung und haben damit das Potenzial, sich signifikant auf die Performance von WLAN-Netzen auszuwirken.

Geschwindigkeit ist ein attraktives Argument und die einfachste Möglichkeit, WLAN und seine Weiterentwicklung weltweit zu vermarkten. Diese neuen Standards ermöglichen eine Brutto-Datenrate von 2 Gbit/s (oder sogar mehr), was im Vergleich zu den 2 Mbit/s der ersten WLAN-Geräte vor 12 Jahren einen gewaltigen Fortschritt darstellt.

Im Folgenden wollen wir uns diese Standards nacheinander anschauen: 802.11ad bringt WLAN ins nächste verfügbare Frequenzband: 60 GHz. Dieses Band ist bis heute weitgehend ungenutzt und in einigen Ländern auch nicht zur Nutzung freigegeben. Daher werden wir diesen Standard hier nicht diskutieren.

802.11ac arbeitet dagegen im bestehenden WLAN-Frequenzbereich, jedoch nur im 5-GHz-Band.

Obwohl schon 2011 eingeführt, wurde 802.11ac vom Leitgremium der WLAN-Industrie, dem IEEE, noch nicht ratifiziert. Die Ratifizierung ist für 2014 geplant, aber die Erfahrungen der Vergangenheit zeigen, dass es länger dauern kann – was wir in diesem Fall auch erwarten. Erste Vorserienprodukte sind jetzt im Markt verfügbar.

Die Haupteigenschaften von 802.11ac sind seine Geschwindigkeit und seine Nutzung des 5-GHz-Bandes, das sich im Hinblick auf seine Störfestigkeit derzeit zum wichtigsten Frequenzbereich für WLAN entwickelt. Die hohen Durchsatzraten werden allerdings erst durch Kanalbündelung möglich, was bedeutet, dass weniger Kanäle für den parallelen Betrieb mehrerer WLAN-Netze verfügbar sind. Um die höchstmögliche Bandbreite zu erreichen, müssen alle 5-GHz-Kanäle gleichzeitig verwendet werden.
Ein weiterer gewichtiger Nachteil ist der Mangel an 802.11ac-Clients auf dem Markt. Bislang hat kein Hersteller von Tablets, Notebooks, PCs oder Mobilgeräten 802.11ac als Standard-WLAN-Client integriert. Um diesen Standard zu nutzen, müsste man also ein separates Gerät kaufen, was unattraktiv für die Massennutzung und für BYOD (Bring Your Own Device) ist.

Dies mag alles ziemlich negativ klingen, und man kann niemandem die Frage verübeln, wozu 802.11ac gut sein soll. Tatsächlich ist dies vermutlich der Grund der gebremsten Markteinführung. Dennoch erwarten wir, dass mobile Clients durch die Nutzung dieses Standards maximale Effizienz erreichen werden.

Ist es derzeit sinnvoll, ein reines 802.11ac-Netz aufzubauen?

Unserer Ansicht nach eignet sich dieser Standard in erster Linie für Netze, die „auf der grünen Wiese“ neu errichtet werden und in denen neue Clients zum Einsatz kommen. Wenn es darum geht, ein bestehendes Netzwerk aufzurüsten, empfehlen wir dieselbe Vorgehensweise wie bei 802.11n und der Einführung von 802.11abg, nämlich den parallelen Betrieb zweier Netze, um die beiden Standards zu separieren. Dies kann durch den Einsatz eines Dual-Radio-Access-Points realisiert werden, der sowohl 802.11n als auch 802.11ac unterstützt.

Wann wird 802.11ac der Standard sein? Wir sind nicht sicher, aber fragen Sie uns 2015 noch einmal.

WLAN Lösungen ist eine Initiative von LANCOM Systems. LANCOM Systems ist führender deutscher Hersteller drahtloser Netzwerktechnologie, die auf Industriestandards basiert.